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Dieser Artikel ist als zusätzliche Verunsicherung
all jener gedacht, die trotz Bedenken und
Abraten
der daheimgebliebenen Freunde und Bekannten
die
abenteuerliche und höchst riskante Reise in
diesen entlegenen Winkel des süd-ost-asiatischen
Kontinents gewagt haben. Da dieser Text für
die
Überlebenden der Expedition durch die
Verkehrs-
staus und die chemische Keule des Smogs der
Bangkoker Betonwüste gedacht ist, brauchen
wir
uns mit den hinter ihnen liegenden Gefahren
jetzt
nicht zu beschäftigen, sondern können
gleich mit
den nicht zu unterschätzenden Risiken
fortfahren,
die sie auf diesem unwirtlichen Eiland, weit
entfernt jeglicher Zivilisation, erwartet.
Kokosnüsse
Es handelt sich hierbei um gemeingefährliche
Objekte. In grauer Vorzeit wurden sie von
hier
ansässigen Piraten nach Verknappung der
Kanonenkugeln durch Genversuche gezüchtet.
Noch
Heute gibt es zahlreiche nicht entschärfte
Explosivnüsse, die ahnungslosen Besuchern
heim-
tückisch durch die Behausungsdächer, oder
beim
Wandern durch die Natur einen bleibenden
Eindruck
hinterlassen können. Mittlerweile wurde
ausser-
halb besonders gesicherter Gebiete eine all-
gemeine Helmpflicht eingeführt.
Fortbewegung
Der umweltfreundlichen und pflegeleichten
Transportmöglichkeit durch
Ausflugselefanten, die
sich hauptsächlich von Gras ernährten,
wurde
schon vor vielen Jahren ein vorzeitiges Ende
bereitet. Die ersten Langzeittouristen,
vorwiegend Hippies, rauchten entweder die
begrenzten Nahrungsreserven der Dickhäuter,
oder
benutzten es zum Ausstopfen ihrer Matratzen,
um
ein bequemeres Nachtlager zu schaffen. Dies
hatte
zur Folge, daß die Elefanten nach wenigen
Jahren
wieder von der Insel verschwanden. Doch
inzwischen hat der nicht immer gewollte Fort-
schritt der Technik auch hier begrenzt Einzug
gehalten, und es stehen 2-und 4-rädrige
motor-
betriebene Fahrzeuge zur Verfügung. Man
sollte
die einmal gewählte Fahrbahnseite
beibehalten und
auch hier die Helmpflicht beachten.
Allerdings
ist auch dies kein sicherer Schutz vor
anders-
gearteten Verkehrsteilnehmern. Fahrunkundige,
oder Leute, die auf ihre Frisur achten müssen,
sollten es vorziehen, eines der öffentlichen
überdachten Taxis zu benutzen.
Unterhaltung
Wenn man erst einmal gelernt hat, durch das
gewählte Transportmittel sicher die schier
endlosen Distanzen auf dieser Insel zu über-
brücken, gelangt man in eine neue Dimension
der
Gefahr, die auch seelische Langzeitschäden
mit
sich bringen kann:
Die Welt der Unterhaltung.
Diese Welt unterteilt sich, wie in Asien
allgemein üblich, in zwei Teilwelten. Der
weniger
riskante Teil spielt sich vor Einbruch der
Dunkelheit ab, während nach Sonnenuntergang
die
ungezügelte Vergnügungssucht die Oberhand
gewinnt.Um den chronologischen Ablauf richtig
wiederzugeben, beginnen wir am Morgen, dessen
Uhrzeit jedoch vom relativen persönlichen
Schlafrythmus abhängig ist. Generell läßt
sich
sagen, daß der erste Unterhaltungseffekt des
Tages bereits unmittelbar nach Beendigung der
vorhergehenden Ruhephase, sprich beim
Erwachen,
eintritt.--War es real, oder nur ein Traum?--
Nachdem man sich diese Frage je nach Höhe
des
vorhergegangenen Alkoholgenusses mehr oder
weniger zufriedenstellend beantwortet hat,
beginnt der aktive Erlebnisurlaub bereits bei
der
Wiederherstellung der Körperhygiene, sprich
bei
der Morgentoilette. Je nach Qualitätskategorie
der Behausung, in die man sich bereits während
der Anreise von einem orts- und
menschenkundigen
Führer hineinempfehlen hat lassen, empfängt
den
noch immer gedankenversunkenen Expeditions-
teilnehmer beim Betreten der Nasszelle
bereits
ein ausgeklügeltes Fitnessprogramm.
Körperentschlackung in der Hockstellung,
Simmulieren einer Duschbrause mittels
beidhändiger Benutzung einer Plastikschüssel
nennen sich einige der Übungen. Bei Fort-
geschrittenen werden Kürübungen wie
Rasieren ohne
Spiegel angeboten. Setzen wir einfach einmal
voraus, daß dieser Parcours ohne bleibende
körperliche Schäden absolviert wurde, und
behandeln wir einen sehr wichtigen anderen
Abschnitt, der dazu noch einem weiteren körper-
lichen Bedürfnis dient, der
Nahrungsaufnahme.
Frühstück
Für einige Expeditionsteilnehmer kann diese
Mahlzeit, je nach Veranlagung oder ärztlichem
Rat, zur einzigen Energiezuführung des Tages
in
fester Form werden. Ausserdem gibt diese Zeit
der
Besinnung im Kreise anderer Teilnehmer die
Möglichkeit zur Klärung eventueller Gedächtnis-
lücken in Bezug auf den Ablauf der voraus-
gegangenen Nacht. Tips zur Gestaltung der
weiteren Excursionen zur Erforschung der
letzten
Geheimnisse dieses Paradieses können
ausgetauscht
werden und geben eine wertvolle Hilfe bei der
Aufstellung des heutigen Tagespensums. Falls
nach
europäischem Rechtsempfinden der Blutgehalt
im
zirkulierenden Alkoholkreislauf zu gering
seien
sollte, sei es empfohlen, die folgenden
Stunden
im näheren Umkreis der Behausung zu
verbringen
und sich allenfalls duch eine traditionelle
Massage am Strand oder gemässigten
Wassersport zu
beschäftigen. Auf jeden Fall sollte man
beachten,
in alkoholisiertem Zustand das Lager, in dem
man
Herberge gefunden hat, nur in Begleitung zu
verlassen. Das Risiko, die Orientierung zu
verlieren und sich zu verirren, ist sehr groß.
Falls jedoch noch Energiereserven vorhanden
sein
sollten, die das Urteilsvermögen aufrecht-
erhalten, kann sich der Forscherdrang während
der
auch recht schönen Tagesstunden austoben. Da
es
der Redaktion bis heute nicht möglich war,
alle
Sehenswürdigkeiten dieser Insel zu
beurteilen,
wird in dieser Beziehung auf die gängigen
Karten
und Reiseführer verwiesen. Das Essen
allgemein
nimmt einen hohen Stellenwert in der hiesigen
Kultur ein, wenn nicht die Lieblingsbeschäftigung
überhaupt und sollte auch von Besuchern eine
gewisse Bedeutung beigemessen bekommen. Und
wie
so vieles Andere sind auch europäische Mägen
nicht mit den asiatischen Gegenstücken zu
vergleichen. Doch mittlerweile haben sich
einige
westliche Pioniere gefunden, die den
eventuell
unberechenbar gewordenen Verdauungsprozess
durch
Probleme mit dem hiesigen Nahrungsangebot
wieder
in gewohnte Schranken weisen. Daher ist es
nicht
mehr unbedingt erforderlich, durch ungewollte
Pfannkuchen -oder Spiegelei- Diäten das Überleben
zu sichern. Viele Verunsicherte sind immer
noch
der Meinung: das Bisschen, was man isst, kann
man
auch trinken. Fuer einen Kurzzeitteilnehmer
mag
dies vielleicht auch mit einem gewissen
Entspannungseffekt verbunden sein, jedoch als
Philosophie ist davor zu warnen. Jedem sei
empfohlen, das einheimische Angebot in jeder
Beziehung erst einmal zu versuchen, bevor man
auf
das Altbekannte zurückgreift. Eine Gefahr,
die
auch die beste Planung und Vorbereitung
zunichte
machen kann, stellt das Wetter dar. Die
unberechenbaren Naturgewalten lassen sich
weder
durch Studieren der Wettervorhersagen, noch
durch
Konsultation der letzten wenigen
hiesigen
Bauern, mit ihren oft hilfreichen Weisheiten,
durchschauen. Allerdings bewahrheitet sich
die
Regel: Wenn einer nachts an eine Palme pi.....,
ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie
es
ist. Diejenigen, die hieraus die richtigen
Schlüsse ziehen, erhalten mit dieser
wichtigen
Erkenntnis gleichzeitig eine Vorahnung
der
Lebensphilosophie vieler Eingeborener. Das
Akzeptieren meteorologischer Gegebenheiten
ist
ein Schritt hin zum Buddhismus. “Ist mal
Regen
oder Sturm, wen kümmerts, keinen Regenwurm.
Nur
Sonnenschein am grossen Teich, die Farbe
braun,
das Hirn ganz weich”. Daher ist es ratsam,
unter
starker Sonneneinstrahlung immer eine Kopf-
bedeckung zu verwenden. Dadurch ergibt sich
eine
weitere Differenzierung des Tagesablaufes.
Die
während einer hypothetischen Schlechtwetter-
periode zur Verfügung stehenden Zerstreuung-
skomponenten verhalten sich linear zu den
animatorischen Fähigkeiten der Lagerleitung,
oder
geben Gelegenheit zur Meditation und zum
Überdenken des bisherigen
Expeditionsverlaufes.
Eine aktive Bewältigung dieser eventuell
kritischen Phase der Untätigkeit könnte in
der
Veranstaltung eines Mensch- ärgere- Dich-
nicht-
Wettbewerbes liegen, es stehen jedoch noch
andere
Möglichkeiten zur Verfügung. Diese
variieren im
Extremfall zwischen einer exessiven Marathon-
videovorführung und einem 1-wöchigen
Selbst-
findungslehrgang in einem buddhistischen
Kloster.
Vom Lebertran zum (nach) Thai-Wahn
Um dem Ganzen einen dramaturgisch mitreißenderen
Touch zu geben, konzentrieren wir uns jetzt
lieber wieder auf die grundliegende
Problematik ,
die den Aufenthalt unter diesen kräfte- und
nervenzehrenden Konditionen möglich oder
unmöglich macht:
Das Überleben.
Mit zunehmender Dauer und Intensität der
Verfolgung des Expeditionszieles wird ein
gewisser Gewöhnungsprozess eintreten, der
die
Aufmerksamkeit eventuellen Risiken und
Gefahren
gegenüber auf ein Minimum zu beschränken
versucht
ist. In vielen bisherigen Publikationen zu
diesem
Thema wurde auf den möglichen Zusammenhang
mit
der hier noch weit verbreiteten schwarzen
Magie
hingewiesen, jedoch gibt es ebenfalls
Hinweise,
die in Richtung der Wirkung des einheimischen
Reiswhiskys deuten. In höheren Dosen über
einen
längeren Zeitraum konsumiert, werden ihm
ebenfalls magische Kräfte zugeschrieben. Es
gibt
sogar gewisse, ursprünglich von
Einheimischen
praktizierte Rituale, die sehr schnell von
den
Expeditionsteilnehmern adaptiert werden. Dazu
zählen zum Beispiel der REGGAE-drinking
contest,
sowie der, vor allem an der Big Buddha Beach
verbreitete ZWANGSEIMER. Womit wir bereits
wieder
in den Dämmerungsstunden des Tagesablaufes wären,
die einem in der Folge einen Einblick in die
magische Welt des siamesischen Lächelns
geben :
Das Nachtleben.
Dieses Kapitel sollte von glücklichen
Familienvätern, und allen, die in der Heimat
einen Kredit wegen des neuen Wagens laufen
haben,
ausgelassen werden. Wer daheim als
Stubenhocker
oder Mauerblümchen bezeichnet wird, hat hier
die
Möglichkeit, von einem Stuhl aus die Welt zu
beherrschen, vom Barstuhl. Einem Thron
gleich,
inmitten der Ritter der Tafelrunde, läßt
man sich
von den dunkelbraunen Augen der thailändischen
(mehr oder weniger) Weiblichkeit mit einem
unbeschreiblichen Lächeln in eine andere
Dimension hineinzaubern. Wenn dann auch noch
das
magische Mekhong-Feuerwasser seine Wirkung
zeigt,
werden einem durch Sirenenzauber, gleich den
verführerischen Sinnestäuschungen in der
altgriechischen Mythologie, denen selbst
Odysseus
nur mit Mühe widerstand, die Möglichkeit
der
logischen Wahrnehmung permanent zu trüben
versucht. Ungeahnte Fähigkeiten und Kräfte
treten
zutage, die dem Ego wie Balsam schmeicheln.
Eine
Traumwelt öffnet seine Tore , die einen bis
zum
ernüchternden " Bitte zahlen " in
seinem Bann
hält. Wer dann noch in der Lage ist, mit
gönnerischer Miene die Silberlinge auf die
Platte
zu bringen, erhält die Demutsbeweise, die
einem
wahren Herrscher von seinen willigen
Untertanen
entgegengebracht werden. Und dieser Respekt
wird
allen Würdenträgern, egal ob weiblich oder
männlich, in gleicher Manier erwiesen.
Historisch
läßt sich ersehen, daß die Thais,
bis fast in
die heutige Zeit, durch zuvorkommende
Höflichkeit, sowie durch taktisch -
diplomatische
Schachzüge, jeglichem ausländischen
Missionierungs- und
Kolonialisierungsbestreben
erfolgreich widerstanden haben. Diese Eigen-
schaften scheinen den Thais bereits im Erbgut
mitgegeben zu sein, was sie unabhängig von
genossener Bildung und sozialem Status zu
Meistern des problemvermeidenden
Zusammenlebens
macht. Dieses sollte keinesfalls als
Devotismus
verstanden werden, sondern wird durch ein,
zumindest als gesundes Ego zu bezeichnendes
Selbstwertgefühl zur Schau gestellt. Für
Unthais,
gemeinhin als Farangs bezeichnet, kann es
gelegendlich zu Mißverständnissen der
hiesigen
Regeln und Wertvorstellungen führen, was in
Eheschließungen oder geschäftlichen
Investitionen
enden kann. Um diesem Risiko erfolgreich
entgegenzutreten, gibt es keine Patentlösungen,
sondern es ist dem jeweiligen Erfahrungsdrang
des
einzelnen Expeditionsmitglieds überlassen,
die
individuelle Gefährdungsebene zu bestimmen.
Sollte der Vorrat an mitgebrachten Glasperlen
als
Zahlungsmittel ausreichend sein, ist man
unter
Umständen in der Lage, eine Karriere bis hin
zum
Vizekönig zu absolvieren, was geschichtlich
durch
den griechischen Schiffsjungen Falcon im
17.Jahrhundert ,der in englischen Diensten
nach
Siam kam und es durch geschicktes Ausnutzen
thailändischer Protektoren bis zur Position
eines
Kanzlers brachte, belegt wird. Die Person des
Königs ist allerdings unantastbar, da es
jemandem
überlassen bleiben muß,die Geschicke dieses
Landes zu leiten, der kompetent die
Lebensweise
dieses scheinbar unbegreiflichen Volkes in
den
richtigen Bahnen zu halten bemüht ist. Wie
schwierig dieses Vorhaben zu verwirklichen
ist,
zeigt sich tagtäglich und auch nachtnächtlich
in
den Anstrengungen verantwortungsbewußter und
realitätsbezogener Thais, oder sonstiger
Vorgesetzter und Zuständiger, den sehr
ausgeprägten Spiel- und Vergnügungsdrang in
eine
produktive Richtung zu lenken.Uns, kurz- oder
länger-fristigen Besuchern in diesem auf das
Hier
und Jetzt ausgelegten Mikrokosmos, fällt es
nicht leicht, in unserem zukunfts- und
profit-
orientierten Westlerdenken den Ausschaltknopf
zu
drücken, der es uns ermöglichen würde, mit
unserem, allseits erwarteten, Finanzpolster
die
absolute Entspannung zu erfahren. Die
Redaktion
bittet hiermit um Entschuldigung für die
gelegentlichen sarkastischen Ausbrüche des
Verfassers.Aber nichts desto Trotz gehört es
mit
zu den schönsten Gefühlen, die man mit den
momentan legalen Drogen erreichen kann.
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