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DIE
VÖLKERSCHLACHT
BEI LEIPZIG - 1813
Vom 16. bis 18. Oktober
1813 kämpften bei Leipzig in Sachsen die Truppen Kaiser
Napoleons und der Verbündeten in der Völkerschlacht
gegeneinander.
In der wichtigsten Schlacht der Befreiungskriege gegen
die napoleonische Fremdherrschaft haben die verbündeten,
zahlenmäßig überlegenen Heere der Österreicher, Preußen,
Russen und Schweden, den Franzosen unter Napoleon die
entscheidende Niederlagen beigebracht. Bei der Schlacht
fielen von etwa 400.000 beteiligten Soldaten etwa
130.000. Im Jahre 1913, also genau 100 Jahre später,
wurde das 91 m hohe Völkerschlachtdenkmal
fertiggestellt.
Es steht an der Stelle, an der die heftigsten Kämpfe
tobten und die meisten Soldaten fielen. Dieses gewaltige
Monument ist das bekanntester Wahrzeichen Leipzigs.
Beschreibung des
Schlachtverlaufes
Die Niederlagen der französischen Truppen im August und
September hatten Napoleon veranlasst, von Dresden zurückzugehen
und seine Armee am 14. Oktober um Leipzig zu vereinigen,
gegen welches sich nun auch die Heere der Verbündeten
konzentrisch in Bewegung setzten. Das Reitergefecht bei
Liebertwolkwitz 14. Oktober leitete die großen Kämpfe
der nächsten Tage ein, sein glücklicher Ausgang
erschien den Alliierten als gute Vorbedeutung. Dennoch
war Napoleons Lage durchaus keine verzweifelte; er hatte
außer den Garden 8 Korps, 170.000 Mann nebst 14.000
Reitern und 700 Geschützen, zur Verfügung, und wenn
auch die Truppen tief erschöpft und teilweise entmutigt
waren, so befehligte sie doch ein Napoleon, der nicht
bloß durch die Einheit des Oberbefehls, sondern auch
durch die Raschheit und Präzision seiner Anordnungen,
durch seine moralische Einwirkung der Überlegene war.
Verhängnisvoll wurden aber für ihn die Illusionen, die
aus seiner Unterschätzung des Gegners hervorgingen: er
glaubte weder an die Anwesenheit der ganzen böhmischen
und schlesischen Armee noch an den Entschluss der Verbündeten
zu einer großen Entscheidungsschlacht.
Schlachtverlauf
1. Tag
Am 15. Oktober stellte Napoleon sein Heer um Leipzig
aus: den größten Teil, 100.000 Mann, auf dem sanft
gehobenen Gelände südlich von Leipzig, von Connewitz
und Markkleeberg an der Pleiße über Wachau und
Liebertwolkwitz bis nach Holzhausen hin; Bertrand stand
bei Lindenau zur Deckung der Straße nach Westen, im
Norden von Leipzig Marmont und Michel Ney. Die
Alliierten verfügten zunächst nur über 200.000 Mann,
da die Korps von Colloredo und Bennigsen erst im
Anmarsch waren und der Kronprinz von Schweden die
Nordarmee noch zurückhielt. Die Hauptmasse bildete die
böhmische Armee unter Karl Philipp Fürst zu
Schwarzenberg, den Kaiser Alexander und König Friedrich
Wilhelm III. begleiteten, 130.000 Mann, welche von Süden
heranrückten.
Schwarzenbergs Plan war, während Gyillay mit 20.000
Mann gegen Lindenau und Blücher von Schkeuditz gegen
Leipzig aufbrach, mit der Hauptmacht in der sumpfigen
Niederung zwischen Elster und Pleiße gegen Konnewitz
vorzudringen, den rechten Flügel des Feindes zu umgehen
und auf dem kürzesten Weg Leipzig selbst zu gewinnen.
Auf Einspruch Alexanders wegen der Schwierigkeit des
Terrains übertrug Schwarzenberg die Ausführung seines
Plans nur den 35.000 Österreichern unter Merveldt und
Hessen-Homburg; die Korps von Klenau, Wittgenstein und
Kleist unter Barclay de Tollys Oberbefehl sollten den
Feind in der Front angreifen und ihn gegen Leipzig
werfen. Auf diese Weise wurde die böhmische Armee auf
drei durch Flüsse und Sümpfe getrennte Schlachtfelder
verteilt.
Karte der Truppenstellungen am 16. Oktober 1813

Noch vor Tagesanbruch
16. Oktober setzte sich die Armee Barclays in Bewegung
und eröffnete gegen 9 Uhr ein furchtbares Geschützfeuer,
worauf die Sturmkolonnen gegen die französische
Stellung vorgingen. Kleist entriss Fürst Josef Anton
Poniatowski Markkleeberg; viermal wurde er daraus verdrängt,
viermal erstürmte er es wieder und behauptete es mit Mühe.
Auch Wachau, wo Napoleon selbst befehligte, wurde von
Preußen und Russen unter dem Prinzen Eugen von Württemberg
erobert, musste jedoch unter den furchtbarsten Verlusten
durch die überlegene französische Artillerie wieder
verlassen werden. Ebensowenig gelang es Gortschakow und
Klenau, Liebertwolkwitz zunehmen; ja, sie verloren auch
den Kolmberg, und die ganze Linie der Verbündeten war
durch die blutigen Kämpfe so geschwächt, dass sie kaum
ihre Stellungen behaupten konnte. Auch die Operationen
der Österreicher auf Konnewitz hatten gar keinen
Erfolg, und die Fruchtlosigkeit aller weitern Kämpfe
einsehend , eilte endlich nach 12 Uhr mittags
Schwarzenberg mit dem Korps Hessen-Homburg Barclay zu
Hilfe.
Napoleon, durch den bisherigen Gang der Schlacht
ermutigt, beschloss nun selbst zum Angriff überzugehen.
Um 3 Uhr versuchten 8.000 französische Reiter, das
Zentrum der Verbündeten bei Wachau zu durchbrechen. Sie
drangen bis zu dem Hügel vor, auf dem die Monarchen und
Schwarzenberg sich befanden; indes die Standhaftigkeit
der russischen Infanterie und die Tapferkeit der zur
Hilfe herbeieilenden verbündeten Reiterei vereitelten
ihr Unternehmen. Ein zweiter Angriff der französischen
Infanterie, des Korps Lauriston, auf Güldengossa
misslang ebenfalls. Auch Napoleon konnte keine frischen
Truppen mehr ins Feuer führen, und die Nacht machte dem
mörderischen Kampf ein Ende. Der Angriff der Alliierten
auf die feindliche Stellung war misslungen; aber eine völlige
Niederlage war durch die todesmutige, wetteifernde
Tapferkeit der Verbündeten, Führer wie Soldaten, mit
einem Verlust von 20.000 Mann an Toten und Verwundeten
abgewendet worden.
Gyulays Angriff auf Lindenau, zögernd unternommen, war
inzwischen von Bertrand abgewiesen worden. Einen
entscheidenden Erfolg jedoch hatte das Vorgehen der
schlesischen Armee gehabt. Ohne die Nordarmee
abzuwarten, war Blücher auf den Befehl, zum
gemeinschaftlichen Angriff auf Leipzig mitzuwirken,
aufgebrochen und bei Wiederitzsch und Möckern auf
ernsteren Widerstand gestoßen. Beim ersteren Dorf stand
Dombrowski mit einer schwachen Division, die jedoch
Langeron den ganzen Tag festhielt, bei letzterm Marmont
mit 17.000 Mann, der eben den Befehl erhalten hatte,
nach Wachau zu Hilfe zu kommen, auf die Annäherung des
Feindes aber beschloss, dessen Angriff zu erwarten, und
Ney um seine Unterstützung bat.
York richtete den Angriff seines Korps, das etwa 20.000
Mann stark war, gegen das durch seine Lage zu einer natürlichen
Festung gemachte Dorf Möckern, das nach mehreren
misslungenen Angriffen mit einem Verlust von 7.000 Mann
endlich erstürmt wurde. Marmonts Korps war vernichtet,
Ney war auf dem Weg, ihm zu Hilfe zu eilen, wieder
umgekehrt, aber auch für Wachau zu spät gekommen. Der
Sieg Yorks bei Möckern hatte nicht bloß die französische
Stellung im Norden von Leipzig durchbrochen, sondern
Napoleon auch den gehofften Sieg bei Wachau dadurch
entrissen, dass er zwei Korps hinderte, dort gegen die böhmische
Armee mit frischen Kräften einzugreifen.
Schlachtverlauf
2. Tag
Der 17. Oktober, ein Sonntag, war ein Tag dumpfer
Stille. Es trat eine Pause im Kampf ein, nur im Norden
ruhte Blücher nicht. Er nahm Eutritzsch und Gohlis und
drang bis dicht an Leipzig vor. Die Verbündeten hielten
um 2 Uhr im Dorf Sestewitz Kriegsrat; man beschloss am nächsten
Morgen um 7 Uhr den Angriff zu machen.
Da Napoleon keinen entscheidenden Sieg erfochten hatte
und die Verbündeten nicht hindern konnte, nach Ankunft
von 100.000 Mann Verstärkung den Angriff zu erneuern, während
er selbst nur noch das Korps Reynier von Düben
erwartete, hätte er seine Stellung bei Leipzig, die
unhaltbar geworden war, räumen und anderswo die
Schlacht wieder ausnehmen müssen. Aus politischen Rücksichten
tat er es nicht; er baute darauf, dass Kaiser Franz sein
Schwiegervater war. Durch den bei Konnewitz gefangenen
General Merveldt ließ er 17. Oktober den Monarchen
einen Waffenstillstand unter Bedingungen anbieten, die
ihm im August den Frieden verschafft hätten. Jetzt aber
gingen die Verbündeten auf dies Anerbieten gar nicht
ein und würdigten es nicht einmal einer Antwort.
Schlachtverlauf
3. Tag
Karte der Truppenstellungen am 18. Oktober 1813

Am 18. Oktober um 2 Uhr
morgens gab Napoleon die alte, in ihrer Ausdehnung nicht
mehr zu behauptende Stellung auf und rückte ungefähr
eine Stunde Wegs näher an Leipzig zurück. Der rechte
Flügel unter Poniatowski stand an der Pleiße von
Konnewitz bis Dölitz, das Zentrum bildete bei
Probstheida einen ausspringenden Winkel, der linke Flügel
reichte bis zur Parthe und war bis zur Mündung
derselben in die Pleiße im Norden von Leipzig zurückgebogen.
Die neue Stellung war 4 Stunden lang und nur von 150.000
Mann besetzt, die dem vereinigten Angriff der Verbündeten,
welche sich auf 300,000 Mann mit 1400 Geschützen verstärkt
hatten, kaum gewachsen waren. Die letztern waren daher
auch voll frischer Kampflust.
Trotzdem war die Schlacht auch 18. Oktober heiß und
blutig und nicht überall siegreich für die Verbündeten,
da Napoleon von der Tabaksmühle bei Stötteritz aus
seine Stellungen hartnackiger und länger, als es sür
die bloße Deckung des Rückzugs notwendig gewesen wäre,
verteidigte. Die Angriffskolonnen der Verbündeten
setzten sich nur sehr allmählich, teilweise recht spät,
in Bewegung, so dass der Stoß nicht auf einmal mit
aller Macht erfolgte. Auf dem linken Flügel griffen die
Österreicher unter Hessen-Homburg die Stellungen der
Franzosen rechts der Pleiße in Dölitz und Lösnig an,
welche aber nicht genommen werden konnten. Auch
Probstheida wurde von den Franzosen unter Napoleons persönlicher
Führung gegen die mit bewunderungswürdiger Tapferkeit
unternommenen Sturmversuche der Kolonne Barclays
behauptet.
Dagegen nahm der rechte Flügel der böhmischen Armee
unter Bennigsen, welcher aber erst am Nachmittag
eingriff, Zuckelhausen, Holzhausen und Paunsdorf, wo die
Sachsen und 500 württembergische Reiter unter General
v. Normann übergingen. Bei der Erstürmung von
Paunsdorf wirkten bereits Bülow und Wintzingerode von
der Nordarmee mit, welche endlich trotz Bernadottes Sträuben
herangekommen war. Langeron und Sacken von der
schlesischen Armee eroberten Schönefeld und Gohlis, und
als die Nacht hereinbrach, waren die Franzosen im Osten
und Norden von Leipzig bis auf eine Viertelstunde an die
Stadt zurückgedrängt. Hätte Gyulay mit genügenden
Streitkräften sich des Passes von Lindenau bemächtigt,
so wäre der Ring um Napoleon geschlossen und ihm der Rückzug
abgeschnitten gewesen. Indes Schwarzenberg trug
Bedenken, den noch immer gefürchteten Gegner zu einem
Verzweiflungskampf zu zwingen, und Gyulay erhielt
Befehl, den Feind bloß zu beobachten und einem Angriff
auf Pegau auszuweichen. Dies geschah, und so konnte
Bertrand die Straße nach Weißenfels ungehindert
einschlagen, wohin ihm von Mittag an der Tross, die
Wagen mit Verwundeten und der Artilleriepark folgten. In
der Nacht begann der Abmarsch des Heers selbst, der
Garden, der Reiterei, der Korps Victor und Augereau, während
Macdonald, Ney und Lauriston die Stadt verteidigen und
den Rückzug decken sollten; alle Punkte außerhalb
Leipzig wurden geräumt.
Ende der Schlacht
Da Napoleon, nur schwer auf einen Sieg verzichtend, für
den Rückzug ungenügende Maßregeln getroffen hatte, so
war derselbe äußerst schwierig und geriet bald ins
Stocken, da nur die eine Straße nach Weißenfels mit
mehreren Defileen zu Gebote stand. Indes der Vorschlag
Kaiser Alexanders, mit einem Teil des Heers die Pleiße
zu überschreiten und sich auf diese Straße zu werfen,
und Blüchers Anerbieten, mit 20.000 Mann Reiterei die
Verfolgung zu übernehmen, wurden abgelehnt und nur
geringe Streitkräfte mit derselben beauftragt; für 19.
Oktober ward die Disposition zu einer neuen Schlacht
ausgegeben und, als sich beim Fallen des Morgennebels am
19. herausstellte, dass diese nicht mehr nötig war, die
Erstürmung von Leipzig befohlen. Während die französische
Armee in verwirrtem Getümmel sich nach dem Ranstädter
Tor drängte und Napoleon selbst nur mit Mühe den Ranstädter
Steinweg erreichte, hatten die Russen unter Langeron und
Sacken die Hallesche, Bülow die Grimmaische Vorstadt
erobert; hier gelang es dem Königsberger
Landwehrbataillon unter Major Friccius zuerst, in die
Stadt einzudringen; das Peterstor im Süden wurde von
Bennigsen genommen. Die Verteidiger, welche anfangs mit
gewohnter Tapferkeit kämpften, gerieten zuletzt in völlige
Auflösung, und die Verwirrung des in der Stadt
zusammengedrängten Menschenknäuels erreichte den höchsten
Grad, als aus Versehen die Elsterbrücke vor dem Ranstädter
Tor, über welche die Rückzugsstraße ging, zu früh in
die Luft gesprengt wurde. Viele kamen auf der Flucht um,
so Marschall Poniatowski; andere mussten sich
kriegsgefangen ergeben.
Folgen der Schlacht
Gegen 1 Uhr hielten die Monarchen von Preußen und
Russland ihren Einzug in Leipzig unter dem begeisterten
Jubel der Bevölkerung, der eine Zeitlang das
entsetzliche Elend vergessen machte, welches die
ungeheure Menge von Verwundeten und Kranken in der Stadt
verursachte. Die dreitägige Schlacht hatte auf beiden
Seiten gewaltige Opfer gekostet: die Preußen zählten
16.000 Mann und 600 Offiziere an Toten und Verwundeten,
die Russen 21.000 Mann und 860 Offiziere, die Österreicher
14.000 Mann und 400 Offiziere. Die Franzosen verloren
30.000 Mann an Toten und Verwundeten, 15.000 Gefangene,
300 Geschütze und ließen 23.000 Mann in den Lazaretten
zurück.
Indes der Preis des Kampfes war auch ein großer.
Napoleons Weltmacht war vernichtet, und wenn auch die
laue Verfolgung nach dem Sieg die sofortige Beendigung
des Kriegs vereitelte, so war doch mit einem Schlag
Deutschland bis zum Rhein befreit, und das deutsche Volk
hat den 18. Oktober lange Zeit als den Beginn seiner
Wiedergeburt gefeiert. Zahlreiche Denksteine bezeichnen
die merkwürdigsten Punkte der Schlacht, so die
gusseiserne Spitzsäule (seit 1847) aus dem
"Monarchenhügel", das Denkmal des Fürsten
Schwarzenberg (ein Würfel aus Stein unweit Meusdorf),
der Napoleonsstein unweit des Thonbergs, dazu mehrere in
der Stadt selbst errichtete Denkmäler. Auch wurde schon
1814 in Leizig ein Verein zur Feier des 19. Oktober gegründet,
der sich die Aufgabe stellte, das Gedächtnis der Völkerschlacht
in möglichst treuer Überlieferung der Nachwelt zu
erhalten und alle auf dieselbe bezüglichen Schriftstücke
zu sammeln. 1863 wurde die 50jährige Jubelfeier der
Schlacht besonders festlich begangen, noch kurz vor den
Ereignissen von 1866 bis 1871, welche das Andenken des
Leipziger Kampfes etwas zurückdrängten. 1875 wurde
eine neue Korvette der deutschen Marine der Leipziger
Schlacht zu Ehren "Leipzig" getauft.
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